Belgien entwickelt derzeit einen Aktionsplan One World One Health zur Bekämpfung der antimikrobiellen Resistenz.

Die antimikrobielle Resistenz (auch: "AMR") stellt eine der größten Bedrohungen der öffentlichen Gesundheit derzeit und in naher Zukunft dar. Seit vielen Jahren führt Belgien Aktionen zur Bekämpfung der AMR durch, sowohl im Humanbereich als bei der Viehzucht. Diese Aktionen zielen ab auf eine Reduzierung des Einsatzes und einen effizienteren Gebrauch von antimikrobiellen Mitteln (und von Antibiotika insbesondere), um die Entstehung und Verbreitung von resistenten Keimen zu verhindern. Unsere Zahlen über den Einsatz von antimikrobiellen Mittel und die Resistenzen weisen allerdings darauf hin, dass eine verstärkte Führung und eine ambitionierte Politik unerlässlich sind, um den Trend umkehren zu können.

Außerdem legen die Tatsachen nahe, dass resistente Bakterien zwischen Menschen, Tieren und der Umwelt übertragen werden können und dass ein sektorenübergreifender und multidisziplinärer Ansatz erforderlich ist. Dieser Nationalplan beruht auf einem gemeinsamen Ansatz "One World, One Health", bei dem jeder für das Problem mitverantwortlich ist und zusammenarbeitet, um die bestmögliche Versorgung von Menschen und Tieren zu gewährleisten, sichere Lebensmitteln bereitzustellen und eine gesunde Umwelt für alle Bürger zu wahren. 

Die Entwicklung dieses Plans wird vom FÖD Volksgesundheit, Sicherheit der Nahrungsmittelkette und Umwelt koordiniert, der eng mit Sciensano, der Föderalen Agentur für Arzneimittel und Gesundheitsprodukte (FAAGP), der Föderalen Agentur für die Sicherheit der Nahrungsmittelkette (FASNK), dem Landesinstitut für Kranken- und Invalidenversicherung (LIKIV), der BAPCOC (Belgische Kommission für die Koordinierung der Antibiotikapolitik) und dem AMCRA (Wissenszentrum für den Einsatz von Antibiotika und Antibiotikaresistenz bei Tieren) zusammenarbeitet.

Weshalb?

  1. Internationale Organisationen, einschließlich der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Weltorganisation für Tiergesundheit (OIE), die partnerschaftlich an der Bekämpfung der antimikrobiellen Resistenz (AMR) arbeiten, fordern die Mitgliedstaaten nachdrücklich auf, Maßnahmen gegen die antimikrobielle Resistenz zu ergreifen. Angesichts der offensichtlichen und zahlreichen Wechselwirkungen, die die menschlichen, tierischen und ökologischen Aspekte dieses Themas miteinander verbinden, sollte jeder heute durchgeführte nationale Aktionsplan den Ansatz „One World, One Health“ verfolgen.
  2. Die antimikrobielle Resistenz (AMR) ist ein sensibles Thema, da sie neben der Gesundheit von Mensch und Tier auch das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Sicherheit von Gesundheitsversorgung, Lebensmitteln (insbesondere tierische Erzeugnisse) und der Umwelt beeinträchtigen kann, beispielsweise wenn sich multiresistente Organismen durch Infektionen in Verbindung mit der Gesundheitsversorgung oder mit Lebensmitteln verbreiten. Die Öffentlichkeit erwartet daher von der Regierung, dass sie sich mit diesem Thema befasst.
  3. Zusätzlich zu den Personalkosten verursacht die AMR auch erhebliche wirtschaftliche Kosten für Krankenhäuser, das Krankenversicherungssystem und den Agrarsektor. Daher ist eine große Anzahl unterschiedlicher Akteure von diesem Thema betroffen, die zusammenarbeiten sollten, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen.
  4. Seit Jahrzehnten werden in Belgien mehrere Aktivitäten und Initiativen im Kampf gegen die AMR organisiert (u. a. die Gründung der BAPCOC im Jahr 1999, des AMCRA im Jahr 2011, die Task Force MDRO im Jahr 2013 und die Antiobiotika-Konvention in der Veterinärmedizin im Jahr 2016). Jüngste Indikatoren zeigen jedoch, dass weitere Anstrengungen in mehreren Bereichen erforderlich sind sowie ein neuer Ansatz, der die Koordinierung und Zusammenarbeit zwischen den menschlichen und den tierischen Sektoren verbessert und die Umweltaspekte der AMR berücksichtigt (Ansatz „One World One Health“).

Schon bald?

Der FÖD, seine Partner-Verwaltungen auf föderaler, regionaler und Gemeinschaftebene, und viele Sachveständigen und Organisationen wie das BAPCOC und das AMCRA haben ihre Kräfte und ihr Wissen gebündelt und einen neuen, ambitionierten Plan für den Zeitraum 2020-2024 erarbeitet. Dieser belgische nationale Aktionsplan beruht auf den drei Pfeilern der Gesundheit (menschliche Gesundheit, Tiergesundheit und gesunde Umwelt) und umfasst konkrete Maßnahmen zur globalen und koordinierten Bekämpfung der AMR. Somit sind wir bereit, der Bekämpfung von Resistenzen gegenüber Antibiotika und sonstigen antimikrobiellen Mitteln neue Impulse zu geben. 

Dieser Planentwurf basierte auf den Empfehlungen, die unser Land erhalten hat:


AMR ind der menschlichen Gesundheit

  • BAPCOC, die belgische Kommission für die Koordinierung der Antibiotikapolitik, arbeitet seit ihrer Gründung im Jahr 1999 an der Bekämpfung der antimikrobiellen Resistenz. Hierzu stützt sich die BAPCOC auf mehrere Arbeitsgruppen (Ambulante Medizin, Krankenhausmedizin, Plattformen für Krankenhaushygiene, Sensibilisierung, Veterinärmedizin). Gegenwärtig befasst sich der Großteil der Aktivitäten mit der menschlichen Gesundheit.
    Die BAPCOC hat gerade die Version 2019 des belgischen Leitfadens für anti-infektiöse Behandlungen in der ambulanten Praxis veröffentlichte : http://www.cbip.be/fr/chapters/12?frag=8000010
    Weitere Informationen:  https://organesdeconcertation.sante.belgique.be/fr/organe-d'avis-et-de-concertation/commissions/bapcoc 
  • Sciensano, das belgische wissenschaftliche Institut One Health, das aus dem Zusammenschluss des ehemaligen Studien- und Forschungszentrums für Veterinärmedizin und Agrochemie (SFZVA) und des ehemaligen Wissenschaftlichen Instituts für Volksgesundheit (WIV) hervorgegangen ist, führt verschiedene Aufgaben im Zusammenhang mit der Überwachung von Antibiotikaresistenz und Infektionen im Zusammenhang mit der Gesundheitsversorgung durch.
    Für weitere Informationen: : https://www.sciensano.be/fr/sujets-sante/resistance-aux-antibiotiques/role
  • Das INAMI, das Nationale Institut für Kranken- und Invaliditätsversicherung, ist ebenfalls am Kampf gegen die antimikrobielle Resistenz beteiligt, insbesondere durch die Festlegung der Bedingungen für die Erstattung von Arzneimitteln, die Erhebung von Daten über die Verschreibung von Antibiotika und die Erstellung von „Antibiotika-Feedback“-Berichten für Allgemeinmediziner.
    Für weitere Informationen: https://www.inami.fgov.be/fr/recherche/pages/default.aspx?k=antibiotiques
  • Weitere Informationen zu den Aktionen der FAAGP (Föderale Agentur für Arzneimittel und Gesundheitsprodukte) im Kampf gegen antimikrobielle Resistenz: https://www.afmps.be/fr/info_patients/Antibiotiques
  • Die Gemeinschaften und Regionen führen ebenfalls Aktivitäten im Zusammenhang mit der Bekämpfung der antimikrobiellen Resistenz durch. 

Im Oktober 2019 schloss der Föderale Öffentliche Dienst Volksgesundheit, Sicherheit der Nahrungsmittelkette und Umwelt einen Evaluierungsbericht des „Nationalen Strategieplans zur Bekämpfung der MDRO“ (MultiDrug Resistant Organisms, gegen mehrere Antibiotika resistente Organismen) ab. Ziel dieses Plans ist es, die weitere Ausbreitung von MDRO zu verhindern und die Häufigkeit von MDRO-Kontaminationen zu reduzieren. Die Bedingungen dieser Vereinbarung sind in einer Absichtserklärung festgelegt, die am 21.11.2013 im Belgischen Staatsblatt veröffentlicht wurde.

Der FÖD hat die institutionellen Partner im Kampf gegen die MDRO auf der Grundlage eines Fragebogens zur Umsetzung, zum Interesse, den damit verbundenen Schwierigkeiten und möglichen Empfehlungen für die Zukunft der verschiedenen in dieser Vereinbarung vorgesehenen Elemente konsultiert. Diese Evaluierung findet im Rahmen der Entwicklung eines Nationalen Aktionsplans One Health im Kampf gegen die antimikrobielle Resistenz statt, der bis Dezember 2019 erstellt werden soll.

Lesen Sie den Bericht : https://www.health.belgium.be/fr/rapport-devaluation-du-protocole-daccord-concernant-le-plan-national-multidrug-resistant-organismes

AMR  in der Tiergesundheit

AMR und Umwelt

Die Generaldirektion Umwelt des FÖD Volksgesundheit, Sicherheit der Nahrungsmittelkette und Umwelt koordiniert die Umweltmaßnahmen des Aktionsplans in Zusammenarbeit mit der Föderalen Agentur für Arzneimittel und Gesundheitsprodukte (FAAGP). Die Gemeinschaften und Regionen führen ebenfalls Aktivitäten im Zusammenhang mit der Bekämpfung der antimikrobiellen Resistenz durch (insbesondere Analysen in Grund- und Oberflächenwasser).

Evènements 

Zukünftige Events : 

 

Vergangene Events :

Der FÖD Volksgesundheit, Sicherheit der Nahrungsmittelkette und Umwelt und das Europäische Observatorium für Gesundheitssysteme und Gesundheitspolitik haben am 22. und 23. November 2018 einen „Policy Dialogue“ zu AMR organisiert. An diesem Treffen nahmen etwa fünfzig belgische Akteure, die im Kampf gegen die antimikrobielle Resistenz im Bereich der menschlichen Gesundheit, der Tiergesundheit und der Umwelt tätig sind (Vertreter der zuständigen Minister, der zuständigen Verwaltungen, der Fachzentren und der Wissenschaftler) sowie etwa zehn internationale Experten teil. Dieses Treffen wurde organisiert, um ein gemeinsames Verständnis der Herausforderungen im Zusammenhang mit der AMR in Belgien zu entwickeln und strategische Ziele und vorrangige Maßnahmen zu identifizieren. Das Programm und der Bericht dieses Policy Dialogue sind in den nachstehenden Dokumenten zu finden.