Die Bedeutung der biologischen Vielfalt

Für mehr als eine Milliarde Menschen ist der Fisch, eine durch Übernutzung gefährdete Ressource, die Haupteiweißquelle. Das Aussterben von Bienen oder anderen wildlebenden Bestäubern hätte erhebliche Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktion und der Wert der Leistungen, die die Bestäuber erbringen, wurde auf etwa 150 Milliarden Euro festgelegt. Etwa die Hälfte der synthetischen Medikamente stammen aus natürlichen Quellen.

Diese drei Beispiele veranschaulichen den Wert der biologischen Vielfalt für das menschliche Leben und unterstreichen die Notwendigkeit, ihr einen Wert zu verleihen, damit sie in öffentlichen Entscheidungen berücksichtigt werden kann.

Die Ökonomie von Ökosystemen und der Biodiversität (TEEB - The Economics of Ecosystems and Biodiversity) (besteht nur auf Englisch), eine im Jahr 2009 eingeleitete internationale Initiative, macht auf die weltweiten wirtschaftlichen Vorteile der biologischen Vielfalt aufmerksam, betont die steigenden Kosten des Verlusts der biologischen Vielfalt und den Verfall der Ökosysteme und verknüpft die Kompetenzen der Bereiche Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zur Festlegung konkreter Maßnahmen für die Zukunft.

Die TEEB-Studie fordert eine bessere Anerkennung seitens der Entscheidungsträger aller Ebenen (lokal, national, von den Unternehmen bis hin zu den Privatpersonen) des Beitrages der Natur für den Menschen, deren Lebensgrundlage, Gesundheit, Sicherheit und Kultur.

Die TEEB-Initiative:

Auswirkungen und Abhängigkeiten in Bezug auf die biologische Vielfalt und Ökosystemdienstleistungen

Menschliche Aktivitäten sind von Ökosystemdienstleistungen abhängig und/oder üben Druck aus, der einen Einfluss auf diese Leistungen haben kann:

• Ist eine Aktivität von einer Ökosystemdienstleistung abhängig, stellt diese Leistung die für einen korrekten oder erfolgreichen Ablauf der Aktivität notwendigen „Ressourcen“ (Versorgungsdienste) oder Bedingungen (unterstützende, regulierende oder kulturelle Dienstleistungen) zur Verfügung.

• Hat eine Aktivität (direkte oder indirekte) Auswirkungen auf Ökosystemdienstleistungen, verändert diese Aktivität durch einen bestimmten Druck (Umweltverschmutzung, Übernutzung der Ressourcen, Einführung invasiver Arten...) die für die Existenz oder die Erhaltung der Leistungen notwendigen Parameter. Die Auswirkungen können positiv sein, wenn die hervorgerufenen Änderungen zu einer verbesserten Leistung desjenigen Ökosystems führen, das diese Dienste zur Verfügung stellt.

Jeder Beschlussfassungsprozess muss, wenn möglich, auf genauen und objektiven Informationen beruhen. Deshalb ist für die Integration der biologischen Vielfalt und der Ökosystemdienstleistungen eine Analyse notwendig, bei der zunächst die Leistungen bestimmt werden, von denen die Aktivitäten (der Unternehmen oder der Verwaltung) abhängen oder die von diesen Aktivitäten beeinflusst werden. Außerdem müssen diese Abhängigkeiten und Auswirkungen qualitativ und/oder quantitativ erfasst werden. Wie? Indem wir zum Beispiel die Beziehung zwischen einer für uns notwendigen Ökosystemdienstleistung und den Ökosystemen untersuchen, die diese Leistung zur Verfügung stellen oder indem wir Materialflüsse (Wasser- und Papierverbrauch, Schadstoffemissionen) messen.

Diese ersten beiden Schritte sind entscheidend. Ein dritter Schritt kann erforderlich sein, um die Projekte, Aktionen oder Strategien objektiv zu vergleichen. Dieser Schritt besteht aus der Monetisierung der Ökosystemdienstleistungen, d.h. aus der Schätzung des monetären/wirtschaftlichen Wertes der Ökosystemdienstleistungen, von denen wir abhängen oder die wir beeinflussen. Die Führung eines Unternehmens, einer Verwaltung oder eines Landes hängt stark vom entsprechenden Budget ab. Wenn die Ökosystemdienstleistungen einen monetären/wirtschaftlichen Wert erhalten, können mehrere Optionen in einer Einheit verglichen werden. Es handelt sich um eineEntscheidungshilfe für den vierten und letzten Schritt, die Wahl der zu ergreifenden Maßnahmen.

Für eine (theoretische) Schätzung des monetären Werts eines Ökosystems wird dieses in vier Wertkategorien aufgeteilt:

• Der direkte Wert ist der wirtschaftliche Wert, der aus der direkten Nutzung der Güter des Ökosystems (Versorgungsdienste) besteht.

• Der indirekte Wert ist der Wert der regulierenden und unterstützenden Dienste, die die notwendigen Bedingungen für die Entwicklung menschlicher Aktivitäten und für das Wohlbefinden bereitstellen.

• Der Optionswert ist der Wert der potenziellen zukünftigen Nutzung von Gütern und Dienstleistungen des Ökosystems. Es handelt sich zum Beispiel um die zukünftige Nutzung von Pflanzen für die Pharmaindustrie oder die zukünftige Ausbeutung des touristischen Potenzials von Sümpfen.

• Der Existenzwert ist der eigentliche Wert des Ökosystems, den wir anhand von ästhetischen, moralischen oder spirituellen Kriterien mit seiner bloßen Existenz verbinden (kulturelle Dienste).